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Sind AdBlocker böse?

Bedrohen AdBlocker unsere Google AdWords Kampagnen? Wohl kaum. Mächtigen Gegenwind bekommen sie nämlich von ganz anderer Seite: Große Zeitungsverlage und Publisher rebellieren.

AdBlock Crazy Dog liest Zeitung

Foto Copyright: damedeeso / 123RF Stock Photo

.Neulich hielt ich mit meiner Kollegin Patrizia Faschang von den webdots einen Gastvortrag über Online-Marketing auf der WU-Wien. Ich war für das Thema Google AdWords zuständig, und die Studenten stellten viele viele Fragen – zum Beispiel: „Macht es überhaupt Sinn mit AdWords zu werben, wo doch jeder AdBlocker verwendet?“ Ich antwortete: „Es mag sein, dass es Leute gibt, die AdBlocker verwenden. Aber die Ergebnisse in den Google AdWords Kampagnen sprechen für sich. Die Anzeigen werden in großen Mengen ausgespielt, angeklickt und führen messbar zu Neukunden und gewaltigen Umsätzen.“

Daraufhin fragte der Professor, wer von den Anwesenden AdBlocker verwendet. Von rund 50 Studenten zeigten fast alle auf. Staunen, grinsen, meine Antwort sinngemäß wiederholen. So reagierte ich. „Gott sei Dank stellt eine Gruppe von WU-Studenten keine repräsentative Stichprobe der Gesamtbevölkerung dar“, dachte ich mir insgeheim. Mit großem Interesse verfolgte ich aber wenige Wochen später eine hitzige Debatte beim Werbeplanungs-Summit in der Wiener Hofburg.

Am Podium diskutierten:

Vorgeschichte

Laut einer Studie des Online-Vermarkterkreises (OVK) blenden AdBlocker tatsächlich 21,5 Prozent der Werbung aus. Das trifft nicht nur die digitale Werbebranche. Kräftigen Gegenwind erhalten die AdBlock-Betreiber von großen Medienhäusern: Axel Springer, Zeit Online, der Spiegel Verlag, die Süddeutsche Zeitung, das Handelsblatt uvm. reichen reihenweise Klagen bei Gericht ein.

Schon zu Offline-Zeiten wurden ihre Printausgaben in erster Linie über Werbeanzeigen und nur zu etwa 10 Prozent durch die Leser finanziert. Und mit dem Internet sank die zahlende Leserschaft dramatisch.

Die Debatte – let’s fetz!

„Nutzer von AdBlockern verhalten sich wie Schwarzfahrer im Internet. Sie erschleichen sich Leistungen, ohne sich an den Kosten zu beteiligen. Hier fehlt grundsätzlich das Bewusstsein für die Finanzierung der Angebote im Internet.“ Hiermit eröffnete Matthias Wahl vom BVDW die Debatte bereits vor der Veranstaltung während eines Interviews mit Werbeplanung.at.

Hitzig ging es dann in der Hofburg weiter: „AdBlocker nehmen die User in Geiselhaft und erklären ihnen nicht, was hier angerichtet wird. Es wird eine breite Schneise der Zerstörung geschlagen. Und die Anbieter von AdBlocker-Software verdienen auch noch Geld daran.“ Laut Wahl gefährden AdBlocker letztendlich den Pluralismus und die Meinungsfreiheit. Denn es herrsche ein gesellschaftlicher Konsens darüber, dass Inhalte im Internet kostenlos zur Verfügung stehen, aber dafür auch Werbung akzeptiert werden müsse.

Matthias Stöcher vom Standard war sichtlich sauer: „Stellen Sie sich vor, es geht jemand zum Zeitungsstand und schneidet alle Werbeanzeigen aus den Zeitungen raus, bevor sie an die Leser weiterverkauft werden.“ Wie komme außerdem ein externer Software-Entwickler dazu, von außen auf eine Website einzugreifen, um einseitig die Inhalte zu verändern und auszublenden.

Mittlerweile versucht der Standard das Problem mit einer Variante von Paid Content zu lösen: „Wir setzen auf Fair Use und verlangen von den Usern, die AdBlocker einsetzen, einen kleinen Betrag, und dann bekommen sie eine werbeberuhigte Seite.“

Darauf antwortete Kai Recke von Eyeo: „Ich halte es für rechtlich bedenklich, wenn man AdBlocker technisch so umgeht, dass Verwender von AdBlockern doch Werbung angezeigt wird. Dabei ignoriert man nämlich deren deutlich geäußerten Willen, keine Werbung sehen zu wollen.“

Gelassen meldete sich zwischendurch Markus Heingärtner zu Wort. Wie im Fernsehen bei Netflix setze NZZ.at nämlich auf Paid Content und 100 % redaktionelle Inhalte. Tatsächlich ist man mit 14 Euro pro Monat dabei und kann sich zu den Beiträgen der NZZ einloggen.

Und wie finanziert sich AdBlock Plus?

Wer AdBlock Plus nutzt, sieht trotzdem hin und wieder Werbeanzeigen. Wie kommt das? Das Unternehmen finanziert sich einerseits über Spenden und andererseits über sogenannte „acceptable ads“. Soll heißen, dass die Betreiber von AdBlock Plus festlegen, was unaufdringliche und akzeptable Werbung ist. Wer ihre Vorgaben erfüllt, dessen Werbeanzeigen kommen auf eine White List und werden trotzdem ausgespielt.

Kleine Firmen brauchen dafür nichts bezahlen. Zur Kasse gebeten werden aber die Großen. Das gibt idealen Nährboden für Gerüchte und angebliche Skandale. Der Blogger Sascha Pallenberg mischte hier vor anderthalb Jahren ordentlich auf, Berichte in Medien wie den „Financial Times“ und „Spiegel Online“ folgten.

Fazit

Als digitale Werberin bereiten mir Adblocker derzeit wenig Sorgen. Immerhin werden rund 80 Prozent der Anzeigen eingeblendet und bringen wie gesagt messbare Erfolge. Punkto Qualität und Nutzerfreundlichkeit von Werbeanzeigen und Websites hat Google selbst strenge Richtlinien und entwickelt diese permanent weiter. Beispielsweise sind blinkende, irritierende Pop-ups auf Websites, die sich nicht wegklicken lassen, ein absolutes No-go. Google bestraft solche Websites mit schlechten Qualitätsfaktoren, höheren Klickpreisen oder spielt die AdWords-Anzeigen dazu gleich gar nicht aus.

Ansonsten habe ich Verständnis für den Standpunkt der Publisher, der auch für kostenfreie Online-Portale, Blogs und Videoproduzenten gilt: Die Produktion von Content kostet Zeit, Engagement und in den meisten Fällen auch Geld. Schön, wenn manche ihn gratis anbieten, selbstverständlich ist das aber nicht.

Sind AdBlocker böse?
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2 Kommentare zu “Sind AdBlocker böse?

  1. Ich finde werbeblocker überhaupt nicht böse. Sie machen meine Erfahrung im Internet viel angenehmer. Ich finde, jeder sollte so etwas verwenden.

    Und dass sich die Zeiten ändern, das ist nun einmal so. Damit müssen die Produzenten von Inhalten eben umgehen. Gegen technischen Fortschritt haben sie eben wenig Chance.

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